Martina Decker: Starius, der Sternenjunge

8. Februar 2011

Starius, der Sternenjunge
© Martina Decker

Benjamin saß zusammen mit seinem Großvater oben auf dem Traktor und sah gebannt zu, wie der Pflug tiefe Furchen in den Ackerboden zog.
Wenn er einmal groß sein würde, wollte er auch Bauer werden!
„Machen wir da nachher auch noch die Kartoffeln rein?“, fragte er und sah den Alten mit großen Augen an. Der Großvater schüttelte den Kopf. „Ne ne min Jung’. Is schon spät!“
„Och, schaaade!“ Benjamin war enttäuscht. Morgen früh würde ihn Mama doch schon wieder abholen und bis zum nächsten Wochenende war es noch so lange hin.
„Jede Arbeit hat ihre Zeit.“ brummte der Großvater. „Du darfst nicht so ungeduldig sein! Schau…“ Er deutete mit dem Zeigefinger auf einen blass leuchtenden Punkt am Himmel. „Da steht schon der Abendstern! Dort wohnt Starius. Wenn der so ungeduldig wäre….“
Da war etwas in Großvaters Stimme, was Benjamin augenblicklich die Kartoffeln vergessen ließ. Er folgte dem Fingerzeig und betrachtete den Glitzerpunkt mit zusammengekniffenen Augen. „Es ist doch noch Tag! Sterne sind nachts am Himmel. Und wer ist Starius?“
„Hat dir deine Mutter denn nie vom kleinen Sternenjungen erzählt?“ Der Bauer schüttelte den Kopf. Benjamin sah ihn erwartungsvoll an, doch der Großvater schwieg, zog die letzten Furchen und lenkte den Traktor schließlich zurück auf den Feldweg.
„Opa! Erzählst du mir die Geschichte?“
Der Alte nickte. „Es gibt sehr viele Sternenkinder dort oben – große und kleine, helle und dunklere. Tags über schlafen sie und nachts spielen sie am Himmelszelt. Sie leuchten um die Wette und malen miteinander Sternenbilder. Damit ihnen nichts passiert, hält Vater Mond immer Wacht und ruft sie auch schon mal zur Ordnung, wenn sie gar zu übermütig werden…“
„Wie mein Papa! Der schimpft auch manchmal, wenn ich mit Sebastian in der Wohnung nachlaufen spiele.“ Benjamin überlegte kurz. „ Ist der Mond also der Papa von allen Sternen?“
„Du bist ein schlaues Kerlchen!“ lächelte der Großvater. „Genauso ist es!“
„Und wer ist dann die Mama?“
„Kommst du da nicht selbst drauf?“ fragte der Alte beinahe vorwurfsvoll.
„Die Sonne?“ meinte Benjamin zögernd.
„Richtig! Frau Sonne ist die Mutter aller Sternenkinder.“
„Aber dann sieht sie ihre Kinder ja nie!“ überlegte Benjamin.
„Ja, und der kleine Starius war darüber sehr traurig“, erzählte der Großvater weiter. „Oft fragte er die anderen Sternenkinder nach ihr. Aber die lachten ihn aus. „Starius, du bist ein Dummkopf!“ meinten sie. „Wir sind Sternenkinder und Vater Mond passt auf uns auf. Er erzählt uns die wundervollsten Geschichten von Mutter Sonne. Auch, wenn wir sie niemals sehen werden, so wissen wir, wie sie aussieht und wie sehr sie uns lieb hat.“
Aber dem kleinen Starius genügte das nicht. Wenigstens einmal wollte er sie sehen. Viele Monate vergingen und er wurde immer nachdenklicher. Viel zu oft saß er alleine auf einer Wolke und grübelte, statt sich mit den anderen Sternenkindern zu vergnügen.
Dies blieb natürlich auch Vater Mond nicht verborgen. Eines Tages rief er Starius zu sich. „Sag, mein Sohn, stimmt das, was die anderen Kinder mir über dich erzählen? Du sehnst dich so sehr nach Mutter Sonne, dass du schon gar nicht mehr spielen und leuchten magst?“
Starius nickte stumm und ein paar Tränen kullerten über seine Wangen…“

Der Großvater machte eine kleine Pause und sah Benjamin liebevoll an. „Weißt du eigentlich, dass Sternenkindertränen als Sternschnuppen zur Erde fallen?“
Benjamin schüttelte verhalten den Kopf. „Nur, dass man sich dann was wünschen darf, wenn man eine Sternschnuppe sieht.“ Benjamins Blick ging suchend zum Himmel, der mittlerweile ganz dunkel war. Immer mehr Sterne blitzten auf. Fast erleichtert entdeckte Benjamin keine Sternschnuppe. „Ich glaube, heute ist kein Sternenkind traurig!“ meinte er leise. Dann wandte er sich wieder dem Großvater zu. „Erzähl’ weiter. Hat der Mond dem Sternenjungen helfen können?“
„Väter können immer helfen!“ meinte der Großvater. „Nachdem Vater Mond einige Tage überlegt und sich zwischen Tag und Dunkel mit Mutter Sonne besprochen hatte, ernannte er Starius zum „Sternenkind für Morgen- und Abendstern“. Damit war er ab sofort der erste Stern am Abend und der letzte am Morgen.
„Danke, Vater Mond!“ Mehr konnte Starius damals nicht sagen, so aufgeregt war er. Ab jetzt würde er Mutter Sonne jeden Tag sehen. Er würde ihr von seinen Abenteuern erzählen können und ihre warmen Strahlen würden ihn streicheln.
Vor lauter Glück begann der kleine Sternenjunge noch viel heller zu strahlen.“
„Waren die anderen Sternenkinder da denn nicht neidisch?“
„Ich glaube nicht!“ antwortete der Großvater mit ganzer Überzeugung. “Sie waren ja auch vorher schon zufrieden und bestimmt erzählt Starius ihnen oft von Mutter Sonne!“
Benjamin nickte. „Oh, wir sind ja schon fast da!“ rief er überrascht. Vor ihnen tauchte der Hof seiner Großeltern auf. Oma stand wartend .in der Tür Als Opa den Motor abgestellt hatte, sprang Benjamin von seinem Sitz und rannte auf seine Großmutter zu.
„Oma! Es war toll – wir haben ganz viele Furchen gezogen. Aber der Opa hat noch nicht die Kartoffeln reingelegt. Aber er hat mir die Geschichte vom Sternenjungen erzählt. Oma, was gibt es denn zu Essen? Ich habe einen Bärenhunger?“ Er stürmte an ihr vorbei ins Haus. Die Großmutter sah ihm lachend nach, dann schaute sie ihren Mann an. „Die Geschichte vom Sternenjungen?“
„Erzähl ich dir später! Jetzt hab ich auch Hunger!“ antwortete er und gab ihr einen Kuss. „Pflügen macht hungrig und Geschichten erzählen erst recht!“



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Claudia Duhonj-Gabersek: Der Libellensee

10. Juni 2010

Große Pechlibelle - Ischnura elegans - Paarungsherz

Große Pechlibelle - Ischnura elegans - Paarungsherz


Kindergeschichte – Tiergeschichte – Tiere – Fred – Frosch – Libellen – Seerosen – Wassergeist – Himmel – Mond – Vollmond – Teich – Fische – See – Zwergenland – Zwerge – Steinkarpfen – Froschschenkel


Der Libellensee
© Claudia Duhonj-Gabersek

Längst war die Dämmerung hereingebrochen über das Zwergenland Grom.
Die kleinen Zwergenbuben Plim und Plom hätten schon zu Hause sein müssen. Ihre Mutter Tram lugte besorgt aus der Höhle, doch nur der Gesang der Nachtvögel durchbrach die Stille des Waldes. Sie hatte nur die beiden Kinder auf dieser Welt, denn ihr Mann, der starke Hauer Klamm, war vor ein paar Jahren verunglückt. Er war tief im Berge von einem rollenden Felsbrocken erschlagen worden.
Zehn Steinwürfe entfernt von der mütterlichen Behausung spielten Plim und Plom am Ufer des Libellensees. Warum der See so hieß? Ihr könnt es euch denken. Hunderte der schönen Geschöpfe schwirrten um den See oder tummelten sich auf den großen Seerosenblättern, die gemächlich im Wasser trieben.
Vom Himmel her schaute Herr Mond dem Treiben der beiden Jungen zu. Voll und rund war er, wie ein Kürbis, der gleich zu platzen drohte.
Fred Glubsch, der Frosch und sein stummer Freund, der alte Steinkarpfen Gründlich beäugten die Zwergenkinder misstrauisch. Schon so mancher Froschschenkel und der eine oder andere fette Karpfen waren in den großen Eisenpfannen der Zwerge gelandet. Frosch und Fisch gruben sich tief in den Schlamm ein und glotzten nur ab und zu vorsichtig heraus.
Plötzlich geschah es. Mit einem lauten Schmatzen tauchte er auf, der böse Wassergeist Mrz. Er war über und über mit Schlamm bedeckt und Algen wuchsen aus seinen riesigen Ohren. Mit seinen mächtigen Greifzangen packte er die Kinder und verschwand mit ihnen in der Tiefe des Sees.
Fred Glubsch und Karpfen Gründlich schauten sich an. Nein, man mochte Zwerge nicht. Sie waren laut und plump und gefährlich dazu. Aber das hier waren Kinder. Ihre jämmerlichen Schreie waren ihnen durch Schall- und Schwimmblase gedrungen.
Der Herr Mond da oben hatte alles mit angesehen. Eine Träne lief über sein Kratergesicht und als sie verdunstete, legte sich ein dichter Nebel über das Land Grom.
Zwei Tage waren vergangen. Immer wieder kamen Gruppen von Zwergen an den See und riefen laut nach den Kindern. Frosch und Fisch aber dachten an die große Eisenpfanne und gruben sich noch tiefer ein.
Als die Zwerge verschwunden waren, schwammen die beiden ein wenig im See. Nachdenklich glotzte Fred seinem Freund in die Augen. Plötzlich hatte er eine Idee:
“Quak, quak. Quaaak, quaaaakk?”, fragte er seinen Freund und der blubberte zustimmend ein paar Blasen aus dem Maul. Gemeinsam tauchten sie in den See hinab, immer tiefer und tiefer.
Lange Zeit fanden sie nichts, Doch dann trafen sie auf eine Krebsfamilie, die ihnen, eifrig mit den Scheren klappernd, den Weg zeigte. Sie tauchten hinter den Krebsen durch einen engen Gang und fanden sich in einer riesigen Höhle wieder.
Die ächzende Stimme des Wassergeistes Mrz hallte von den Wänden:
“Esst nur, ihr Kinder, esst den Tang, denn was anderes werdet ihr die nächsten hundert Jahre nicht kriegen”.
Plim und Plom weinten bitterlich.
Frosch und Fisch hatten genug gehört. Ohne ein verräterisches Plätschern machten sie sich auf den Rückweg.
Als sie aufgetaucht waren und sich ein wenig erholt hatten, rief Fred nach den Libellen. Die Jungfern kamen eine nach der anderen angeflogen. Mit gebührendem Abstand, denn man fürchtete die lange Froschzunge, scharten sie sich um Fred.
Mit aufgeregtem Quaaaak Quaaaak erzählte er den Schönen die ganze Geschichte.
Da machte sich der riesige Libellenschwarm auf den Weg zur Höhle der Zwergenmutter. Sie hatte kein Auge zugetan, seit die Buben fort waren und unaufhörlich flossen ihre Tränen. In ihrer Behausung hatten sich schon Pfützen gebildet, so sehr weinte sie.
Zuerst wollte sie mit ein paar Nachbarn zusammen die Libellen verjagen, aber dann begriff Tram: “Sie wollen uns etwas zeigen, schlagt nicht nach ihnen”.
Die Libellen führten die Zwergenschar zum See, wo sie schon von Fred Glubsch und Herrn Gründlich erwartet wurden.
Die vier kräftigsten Zwerge tauchten mit Frosch und Karpfen in die Tiefe. Mir nix dir nix packten zwei von ihnen den bösen Wassergeist, während die anderen beiden Plim und Plom auf ihre Schultern setzten.
Endlich tauchten sie am Ufer auf und stiegen aus dem Wasser. Was war das ein Herzen und Küssen, als die Mutter ihre beiden Söhne in die Arme nahm. Plim und Plom war das schon fast peinlich, denn die Zwerge lachten. Auch Fred Glubsch konnte sich ein fröhliches Quaaaaak nicht verkneifen und Herr Gründlich blubberte munter mit.
Die starken Zwerge sperrten den Wassergeist Mrz in eine ihrer tiefen Höhlen und verschlossen sie mit einem schweren Felsbrocken. So konnte der Böse nie mehr Unheil anrichten.
Zum nächsten Vollmond feierten die Zwerge ein großes Fest am Seeufer. Manch guten Happen warfen sie Fred und Gründlich zu und den Libellen schenkten sie feinsten Honig.
Herr Mond war’s auch zufrieden und strahlte rund und fett vom Himmel, als hätte er nie etwas anderes getan.
In dieser Nacht noch schworen die Zwerge am See einen heiligen Schwur. Selbst in der größten Wintersnot wollten sie doch eines niemals mehr tun: Froschschenkel und Karpfen essen. Höchstens ein Forellchen ab und zu … denn Zwerge sind ja auch nur – halbe – Menschen.

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Das Foto entstand am 10. Juni 2010 an dem kleinen Teich im Wiesengrund in Dudweiler.
Noch mehr Libellen-Fotos gibt es auf dem Libellen-Blog
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Martina Decker: Fred der Frosch

10. Juni 2010

Fred, der Frosch

Fred, der Frosch


Kindergeschichte – Tiergeschichte – Tiere – Fred – Frosch – Reiher – Libellen – Seerosen – Wassergeist – Himmel – Mond – Vollmond – Teich – Fische – See


Fred, der Frosch
© Martina Decker

„Wo bin ich?“, murmelte Fred und blinzelte verwirrt in das helle Licht. Alles tat ihm weh und er traute sich nicht, seine Froschbeine auch nur ein bisschen zu bewegen.
Das Letzte, an das sich erinnern konnte, war der Schnabel eines Reihers und wie er darin verschwunden war. Fred hatte auf einem Seerosenblatt in der Sonne gedöst und völlig vergessen, achtsam zu sein.
„Bin ich jetzt im Himmel?“, überlegte er. Wenn der Reiher ihn gefressen hatte, war das nur wahrscheinlich. Er war immer ein guter und braver Frosch gewesen und gute Frösche kommen in den Himmel, hatte seine Mama gesagt.
„Quatsch!“, gab er sich selbst die Antwort. „dann würde mir nicht alles wehtun. Ein toter Frosch im Himmel hat keine Schmerzen.“
Umständlich richtete Fred sich auf und versuchte einen kleinen Sprung. „Autsch!“, entfuhr es ihm und er entdeckte die große Schürfwunde an seinem rechten Froschschenkel. „Besser als gebrochen!“, stellte er erleichtert fest und sah sich vorsichtig um. Es roch nach Wasser und tatsächlich: nicht weit vor ihm lag ein kleiner See. Glücklich hopste Fred ans Ufer und kühlte sich erst einmal ordentlich ab. Übermütig tauchte er durch die Fluten und vergaß dabei seine Schmerzen.
„Ich bin dem Reiher entkommen!“, freute er sich. Wenn das seine Freunde hörten – er wäre ein Held und die Froschmädchen würden ihn bewundern.
Erst beim Sonnen am Ufer wurde Fred bewusst, dass er gar nicht wusste, wo er war. Und dass es keine anderen Frösche gab, denen er von seinem Heldenmut berichten konnte. Außer ihm und ein paar schillernden Libellen war niemand da. Arglos schwirrten sie in seiner Nähe herum und schienen ihn überhaupt nicht zu fürchten. Fred sah ihnen eine Weile zu. Schwupp… schoss seine lange, klebrige Zunge hervor. Genüsslich verspeiste er sein Mahl und bemerkte erst jetzt, wie hungrig er war. Schwupp… noch einmal und schwupp… daneben! Schnell hatten die Libellen die Gefahr erkannt und flogen an einen sicheren Platz.

Es wurde Abend und mit der einbrechenden Dunkelheit spürte Fred erst richtig, wie alleine er sich fühlte. Traurig setzte er sich auf einen großen Stein und begann zu quaken. Vielleicht würden ihn ja andere Frösche hören und ihm antworten.

So ging das viele Nächte lang. Schließlich stand der Mond dick und rund am Nachthimmel und schaute mitleidig auf den kleinen Frosch hernieder. Und Fred schaute traurig zum Vollmond hinauf.
„Hallo lieber Vollmond! Sag, hast du nicht vielleicht irgendwo ein paar Frösche gesehen? Ich bin so einsam!“
„Tut mir leid, mein lieber Frosch! Ich sah Rehe auf einer Lichtung und einen Uhu bei der Jagd, aber keine Frösche. Aber es ist Nacht und da kann ich nicht jedes Tier sehen!“
„Aber dein Licht strahlt doch so hell. Wenn du ein wenig genauer suchst, so wirst du doch bestimmt …“
„Was soll denn jetzt auch noch dieses nächtliche Geschwätz?“, ertönte da plötzlich eine zornige Stimme. „Erst muss ich mir jede Nacht dieses schreckliche Gequake anhören und nun auch noch das! Ich will schlafen! Was muss ich tun, damit du endlich verschwindest?“
Die Oberfläche des Sees kam in Bewegung und mit einem Mal schlugen hohe Wellen ans Ufer.
Erschrocken starrte Fred aufs Wasser. „Wer spricht denn da?“, stammelte er überrascht.
„Ich bin Juri, der Wassergeist! Mir gehört der See und alle Fische darin.“
So schnell die Wellen gekommen waren, so schnell lag der See wieder wie ein großer schwarzer Spiegel. Aus ihm heraus schaute ein grimmiges Gesicht den kleinen Frosch an. Dicke Augenbrauen verdeckten halb die böse blitzenden Augen und unter der Knollennase wucherte ein dichter Bart. „Warum musste dieser blöde Vogel dich ausgerechnet hier fallen lassen? Konnte er dich nicht sonst wo verlieren oder besser noch: fressen?“

Bevor Fred etwas erwidern konnte, tauchte ein großer Fisch an der Wasseroberfläche auf. Sicherlich wollte er nach den Mücken schnappen, die über dem Wasser im Mondlicht tanzten. Doch stattdessen riss der Wassergeist seinen Mund gierig auf und verschlang den ganzen Fisch mit einem Happs. Fred wurde es Angst und Bange.
„Hmmm, das war lecker!“, meinte der Wassergeist schmatzend. Gähnend wandte er sich wieder an den Frosch. „Du raubst mir seit Tagen den Schlaf! Das ist nicht gut – nein, gar nicht gut!“, murmelte er und in Freds Ohren klang das, als hätte Juri gesagt: „Und jetzt fresse ich dich …“
„Guck mich nicht so an!“, raunzte der Wassergeist. „Ich werde dich nicht fressen. Du bist mir viel zu klein. Außerdem liegst du mir mit deinem andauernden Gequake schon schwer genug im Magen.“
Fred seufzte erleichtert.
Der Wassergeist betrachtete ihn einen Moment lang amüsiert. „Also gut! Wo kommst du her, Frosch? Wie heißt der Teich, wo alle deine Freunde und Verwandten leben?“
„Der Oberbergweiher!“, antwortete Fred leise.
„Kenn ich …“ Jetzt grinste der Wassergeist sogar und Fred war gänzlich verwirrt. „Morgen früh bist du wieder da … versprochen. Und so lange versprichst du mir, nicht mehr zu quaken, klar?“
Fred nickte und Juri verschwand ohne ein weiteres Wort gluckernd im See.
Sprachlos schaute der Frosch ihm hinterher. Nach einigen Minuten blickte er fragend nach oben. „Mond, hast du …?“
Aber der Mond war verschwunden. Am Horizont funkelte es hell und die ersten Sonnenstrahlen berührten die Erde.

Als es vollends Tag geworden war, saß Fred wieder auf seiner Lieblingsseerosenblüte mitten auf dem Oberbergweiher. Um ihn herum war ein fröhliches Quaken. Alle Frösche wollten wissen, wie er dem Reiher entkommen war und wo er sich herumgetrieben habe. Und Fred erzählte, wie er sich verzweifelt gewehrt hatte, zappelte und heftig mit den Hinterbeinen strampelte, bis der Vogel endlich den Schnabel wieder aufsperrte. Es wurde eine lange Geschichte, denn Fred schmückte sie hier und da ein wenig aus. Aber schließlich war alles erzählt und erschöpft machte Fred es sich auf dem Seerosenblatt bequem. Er schloss die Augen und döste in der warmen Sonne ein. Ein verräterisches Plätschern ließ ihn jedoch kurz darauf wieder aufschrecken. Im gleichen Moment legte sich ein großer Schatten über ihn. Mit einem Satz sprang Fred auf und tauchte ins Wasser ein. Er versteckte sich tief im Schlamm und sein Herz pochte heftig. Fast wäre es dem Reiher doch schon wieder gelungen, ihn zu schnappen.
Und da schwor Fred sich: Niemals wieder würde er auf einem Seerosenblatt in der Sonne dösen.


Seerose und Frosch

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Beide Fotos entstanden an dem kleinen Teich im Wiesengrund in Dudweiler, das obere am am 08. Juni 2010, das untere am 11. Juni 2010.

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