Kindergeschichte – Tiergeschichte – Tiere – Fred – Frosch – Libellen – Seerosen – Wassergeist – Himmel – Mond – Vollmond – Teich – Fische – See – Zwergenland – Zwerge – Steinkarpfen – Froschschenkel
Der Libellensee
© Claudia Duhonj-Gabersek
Längst war die Dämmerung hereingebrochen über das Zwergenland Grom.
Die kleinen Zwergenbuben Plim und Plom hätten schon zu Hause sein müssen. Ihre Mutter Tram lugte besorgt aus der Höhle, doch nur der Gesang der Nachtvögel durchbrach die Stille des Waldes. Sie hatte nur die beiden Kinder auf dieser Welt, denn ihr Mann, der starke Hauer Klamm, war vor ein paar Jahren verunglückt. Er war tief im Berge von einem rollenden Felsbrocken erschlagen worden.
Zehn Steinwürfe entfernt von der mütterlichen Behausung spielten Plim und Plom am Ufer des Libellensees. Warum der See so hieß? Ihr könnt es euch denken. Hunderte der schönen Geschöpfe schwirrten um den See oder tummelten sich auf den großen Seerosenblättern, die gemächlich im Wasser trieben.
Vom Himmel her schaute Herr Mond dem Treiben der beiden Jungen zu. Voll und rund war er, wie ein Kürbis, der gleich zu platzen drohte.
Fred Glubsch, der Frosch und sein stummer Freund, der alte Steinkarpfen Gründlich beäugten die Zwergenkinder misstrauisch. Schon so mancher Froschschenkel und der eine oder andere fette Karpfen waren in den großen Eisenpfannen der Zwerge gelandet. Frosch und Fisch gruben sich tief in den Schlamm ein und glotzten nur ab und zu vorsichtig heraus.
Plötzlich geschah es. Mit einem lauten Schmatzen tauchte er auf, der böse Wassergeist Mrz. Er war über und über mit Schlamm bedeckt und Algen wuchsen aus seinen riesigen Ohren. Mit seinen mächtigen Greifzangen packte er die Kinder und verschwand mit ihnen in der Tiefe des Sees.
Fred Glubsch und Karpfen Gründlich schauten sich an. Nein, man mochte Zwerge nicht. Sie waren laut und plump und gefährlich dazu. Aber das hier waren Kinder. Ihre jämmerlichen Schreie waren ihnen durch Schall- und Schwimmblase gedrungen.
Der Herr Mond da oben hatte alles mit angesehen. Eine Träne lief über sein Kratergesicht und als sie verdunstete, legte sich ein dichter Nebel über das Land Grom.
Zwei Tage waren vergangen. Immer wieder kamen Gruppen von Zwergen an den See und riefen laut nach den Kindern. Frosch und Fisch aber dachten an die große Eisenpfanne und gruben sich noch tiefer ein.
Als die Zwerge verschwunden waren, schwammen die beiden ein wenig im See. Nachdenklich glotzte Fred seinem Freund in die Augen. Plötzlich hatte er eine Idee:
“Quak, quak. Quaaak, quaaaakk?”, fragte er seinen Freund und der blubberte zustimmend ein paar Blasen aus dem Maul. Gemeinsam tauchten sie in den See hinab, immer tiefer und tiefer.
Lange Zeit fanden sie nichts, Doch dann trafen sie auf eine Krebsfamilie, die ihnen, eifrig mit den Scheren klappernd, den Weg zeigte. Sie tauchten hinter den Krebsen durch einen engen Gang und fanden sich in einer riesigen Höhle wieder.
Die ächzende Stimme des Wassergeistes Mrz hallte von den Wänden:
“Esst nur, ihr Kinder, esst den Tang, denn was anderes werdet ihr die nächsten hundert Jahre nicht kriegen”.
Plim und Plom weinten bitterlich.
Frosch und Fisch hatten genug gehört. Ohne ein verräterisches Plätschern machten sie sich auf den Rückweg.
Als sie aufgetaucht waren und sich ein wenig erholt hatten, rief Fred nach den Libellen. Die Jungfern kamen eine nach der anderen angeflogen. Mit gebührendem Abstand, denn man fürchtete die lange Froschzunge, scharten sie sich um Fred.
Mit aufgeregtem Quaaaak Quaaaak erzählte er den Schönen die ganze Geschichte.
Da machte sich der riesige Libellenschwarm auf den Weg zur Höhle der Zwergenmutter. Sie hatte kein Auge zugetan, seit die Buben fort waren und unaufhörlich flossen ihre Tränen. In ihrer Behausung hatten sich schon Pfützen gebildet, so sehr weinte sie.
Zuerst wollte sie mit ein paar Nachbarn zusammen die Libellen verjagen, aber dann begriff Tram: “Sie wollen uns etwas zeigen, schlagt nicht nach ihnen”.
Die Libellen führten die Zwergenschar zum See, wo sie schon von Fred Glubsch und Herrn Gründlich erwartet wurden.
Die vier kräftigsten Zwerge tauchten mit Frosch und Karpfen in die Tiefe. Mir nix dir nix packten zwei von ihnen den bösen Wassergeist, während die anderen beiden Plim und Plom auf ihre Schultern setzten.
Endlich tauchten sie am Ufer auf und stiegen aus dem Wasser. Was war das ein Herzen und Küssen, als die Mutter ihre beiden Söhne in die Arme nahm. Plim und Plom war das schon fast peinlich, denn die Zwerge lachten. Auch Fred Glubsch konnte sich ein fröhliches Quaaaaak nicht verkneifen und Herr Gründlich blubberte munter mit.
Die starken Zwerge sperrten den Wassergeist Mrz in eine ihrer tiefen Höhlen und verschlossen sie mit einem schweren Felsbrocken. So konnte der Böse nie mehr Unheil anrichten.
Zum nächsten Vollmond feierten die Zwerge ein großes Fest am Seeufer. Manch guten Happen warfen sie Fred und Gründlich zu und den Libellen schenkten sie feinsten Honig.
Herr Mond war’s auch zufrieden und strahlte rund und fett vom Himmel, als hätte er nie etwas anderes getan.
In dieser Nacht noch schworen die Zwerge am See einen heiligen Schwur. Selbst in der größten Wintersnot wollten sie doch eines niemals mehr tun: Froschschenkel und Karpfen essen. Höchstens ein Forellchen ab und zu … denn Zwerge sind ja auch nur – halbe – Menschen.
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Das Foto entstand am 10. Juni 2010 an dem kleinen Teich im Wiesengrund in Dudweiler.
Noch mehr Libellen-Fotos gibt es auf dem Libellen-Blog
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Verfasst von Ronald 



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