Katharina Britzen: Max Minibagger

Max Minibagger – 1. Folge

© Katharina Britzen

Es war einmal ein kleiner Minibagger, der so rot wie Klatschmohn war. Er durfte immer nur zusehen, wenn die großen Bagger auf der Baustelle arbeiteten. Wie sie große Löcher mit ihren Grabeschaufeln aushoben, wo später Häuser und Brücken entstanden. Zu gerne hätte Max Minibagger mitgeholfen, aber alle lachten ihn aus und sagten: „Was will denn so ein kleiner Bagger hier. Werde erst einmal groß, dann kannst du mit uns zusammenarbeiten“ und jagten ihn wie einen Dieb von der Baustelle.

Große Baggertränen kullerten Max Minibagger aus seinen Augen, denn er war ja schon erwachsen und würde nicht größer werden als er jetzt war. Schließlich war er ein Minibagger, etwas ganz Besonderes, etwas, das die anderen aber nicht wussten.

Traurig trottete er davon und beobachtete von weitem, wie emsig die riesigen Bagger auf der Baustelle arbeiteten, wie sich ihre Schaufeln auf und nieder bewegten, aus dem festen Boden dicke Steinbrocken heraushuben und ihn nicht weiter beachteten. Zu gerne hätte er geholfen, traute sich aber nicht, weil er fürchtete, wieder verjagt zu werden. Unendlich traurig darüber schluchzte er leise vor sich hin und seine Grabeschaufel ging aufgeregt auf und nieder.

„Hallo, Max Minibagger, warum bist du so traurig?“

Max Minibagger schwenkte seine Schaufel um zu sehen, wer mit ihm sprach, konnte aber niemanden sehen. Er drehte sich um die eigene Achse, immer und immer wieder. Woher kam die Stimme?

„Hier bin ich“, piepste ein zartes Stimmchen von vorne und als Max Minibagger auf seine Grabeschaufel starrte, entdeckte er einen Maulwurf darin, der ihn freundlich durch seine kleinen Augen anblinzelte. Erstaunt darüber, dass plötzlich jemand freundlich zu ihm war, hörte er auf zu weinen.

„Ich bin der Maulwurf ‚Sieht nicht gut'“, wisperte es aus seiner Grabeschaufel. „Seit Tagen fällt mir auf, dass du so traurig bist und ständig weinst. Kannst du mir den Grund dafür sagen?“

Und Max Minibagger erzählte dem Maulwurf „Sieht nicht gut“ von seinem Kummer, keine Löcher ausheben zu dürfen, was doch seine größte Leidenschaft und eigentlich auch sein Beruf als Minibagger sei.

Geduldig hörte der Maulwurf „Sieht nicht gut“ ihm zu, streichelte ab und zu die Innenseiten der Grabeschaufel, bis Max Minibagger ihm sein Herz ausgeschüttet hatte und der Kummer von Max Minibagger nicht mehr so groß war. Dann überlegte der Maulwurf „Sieht nicht gut“ einen kleinen Augenblick, hatte eine Idee und sprach: „Wenn du so gerne Löcher buddelst, dann komm doch mit in unser Land Krümelboden, in dem wir leben. Dort kannst du uns Wohnungen baggern so viele du möchtest. Wir leben die meiste Zeit unter der Erde, aber manchmal möchten wir auch die Sonne sehen und die Wärme genießen und müssen dafür durch unsere unterirdischen Straßen nach oben. Da drüben auf den Feldern wohnen wir“ und zeigte mit seiner kurzen Pfote auf das Land Krümelboden, auf die Wiesen und Felder, die am Waldrand lagen.

Erwartungsvoll sah der Maulwurf „Sieht nicht gut“ Max Minibagger an, dessen Gesichtsausdruck langsam von traurig in froh umschlug und dessen Augen wieder zu strahlen anfingen.

„Oh, wie gerne würde ich euch helfen, Tag und Nacht kann ich mit meinen starken Grabeschaufeln Löcher ausheben. Wann soll ich anfangen?“

Max Minibagger war richtig aufgeregt, als ihn der Maulwurf „Sieht nicht gut“ aufforderte, mit in das Land Krümelboden zu kommen, um ihn seiner Familie und seinen Freunden vorzustellen. War die Freude groß, als die Maulwürfe Max Minibagger willkommen hießen und sich ausgelassen von seiner Grabeschaufel hin und herschwenken ließen. Vor allen Dingen die Maulwurfskinder hatten ihre helle Freude daran, jauchzten vor Begeisterung und kamen sich vor wie auf einem Karussell, wenn sich Max Minibagger um die eigene Achse drehte. Maulwürfe vor ihnen hatten so etwas noch nie erlebt, hatten noch nie einen Minibagger zum Freund, worüber sie überglücklich waren.

Ab sofort hatte Max Minibagger Tag und Nacht zu tun, half seinen kleinen Freunden und baggerte ihnen im Land Krümelboden die schönsten und tiefsten Löcher, die je ein Maulwurf gesehen hatte. Viele von ihnen brauchten jetzt nicht mehr so viele Löcher zu buddeln, sondern hatten mehr Zeit zum Spielen. Abends feierten sie zusammen, erzählten sich Geschichten, sangen Lieder und Max Minibagger war glücklich und zufrieden.

*
Und hier gibt es → Max Minibagger – Folge 2

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